Die Umknickverletzung am oberen Sprunggelenk (OSG) gehört zu den häufigsten Verletzungen im Sport. Laut Fachliteratur tritt diese Verletzung pro Tag bei 1 von 10.000 Personen auf. Beim typischen Umknickmechanismus am Sprunggelenk kommt es oftmals zu einem Riss (Ruptur) der Außenbänder.

Der Außenbandapparat wird gebildet aus 3 Bändern: das vordere Außenband (Ligamentum fibulotalare anterius), das mittlere Außenband (Ligamentum fibulocalcaneare) und das hintere Außenband (Ligamentum fibulotalare posterius). Am häufigsten betroffen ist das vordere Außenband. Am zweithäufigsten tritt eine kombinierte Verletzung des Ligamentum fibulotalare anterius mit dem Ligamentum fibulocalcaneare auf. Das hintere Außenband am Sprunggelenk ist besonders kräftig und ist daher selten betroffen. Das Innenband ist ebenfalls eher selten betroffen. Eine Innenbandverletzung am Sprunggelenk ist meist mit einem Knochenbruch assoziiert.

Die typischen Symptome bei einem Bänderriss am Sprunggelenk sind Schmerzen und eine Schwellung in der Region des Außenknöchels. Durch die Ruptur der Bänder entsteht eine Instabilität am Sprunggelenk. Um festzustellen, welches Band bzw. welche Bänder genau betroffen sind, gibt es unterschiedliche Tests für die klinische Untersuchung. Der sogenannte vordere Schubladentest weist auf eine Ruptur des vorderen Außenbandes hin, wohingegen die äußere Aufklappbarkeit des Gelenks typisch ist nach einer Zerreißung des mittleren Außenbandes. Eine Röntgenuntersuchung am Sprunggelenk wird meist nur durchgeführt, um einen Knöchelbruch auszuschließen. Der Bänderriss an sich ist im Röntgenbild nicht feststellbar. Hierzu eignet sich vor allem die Sonographie (Ultraschalluntersuchung) und die Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie). Letztere ist insbesondere dann sinnvoll, wenn weitere Verletzungen wie z. B. Knorpelschäden im oberen Sprunggelenk vermutet werden.

Frau in Sportkleidung sitzt auf dem Boden und ist dabei ihre Socke auszuziehen. Ihre Hand liegt so über ihrem Sprunggelenk, als hätte sie dort Schmerzen.

Liegt ein akuter Bänderriss vor, wird das Sprunggelenk mit einer Knöchelschiene (Orthese) für 6 Wochen ruhiggestellt. Aufgrund der Ergebnisse in der Literatur herrscht allgemeiner Konsens, dass die konservative Therapie mit einer Orthesenversorgung mit einer funktionellen Therapie gleich gute Ergebnisse liefert wie eine operative Bandnaht beim akuten einfachen Außenbandriss. Zwei Aspekte sind bei der konservativen Therapie sehr wichtig. Zum einen sollte die Knöchelschiene konsequent für 6 - Wochen getragen werden. Dies bedeutet, dass die Orthese auch nachts nicht abgelegt werden sollte. Zum anderen ist die funktionelle begleitende Therapie wichtig sowie die physiotherapeutische Behandlung nach Abnahme der Orthese. Hierbei steht vor allem das sogenannte propriozeptive Training im Vordergrund zur Verbesserung der Koordination und Stabilität. Klinische Untersuchungen haben gezeigt, dass hierdurch das Risiko einer nochmaligen Bandverletzung am Sprunggelenk und eine Instabilität gemindert werden können.

Der Großteil der Außenbandrupturen verheilt durch die konservative Therapie stabil. Bei einigen Betroffenen kann es allerdings zu einer chronischen Sprunggelenksinstabilität kommen, wenn der Bandapparat nicht adäquat heilt. Da eine Instabilität des Sprunggelenks nicht nur im Alltag einschränkend ist, sondern auch langfristig zu einer Arthrose im oberen Sprunggelenk führen kann, sollte eine solche Situation ärztlich abgeklärt und das Sprunggelenk durch eine operative Maßnahme wieder stabilisiert werden. Je nach Ausmaß der Instabilität stehen hierfür verschiedene OP-Methoden zur Verfügung. So können z. B. die rupturierten Bänder direkt genäht werden oder durch benachbartes Gewebe verstärkt werden (sogenannte Broström-Gould-Operation). Bei höhergradigen Instabilitäten werden oftmals Sehnentransplantate verwendet, um den Außenbandapparat zu rekonstruieren. Diese Operationsverfahren sind in geeigneten Fällen auch arthroskopisch durchführbar.

Die Veröffentlichung dieser Inhalte durch jameda GmbH erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung der Autoren. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung der jeweiligen Autoren.

Die Inhalte der Experten Ratgeber ersetzen nicht die Konsultation von medizinischen Spezialisten. Wir empfehlen Ihnen dringend, bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder medizinischen Behandlung stets eine qualifizierte medizinische Fachperson zu konsultieren. Der Inhalt dieser Seite sowie die Texte, Grafiken, Bilder und sonstigen Materialien dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine gesundheitlichen Diagnosen oder Behandlungen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Meinungen, Schlussfolgerungen oder sonstige Informationen in den von Dritten verfassten Inhalten ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors darstellen und nicht notwendigerweise von jameda GmbH gebilligt werden. Wenn die jameda GmbH feststellt oder von anderen darauf hingewiesen wird, dass ein konkreter Inhalt eine zivil- oder strafrechtliche Verantwortlichkeit auslöst, wird sie die Inhalte prüfen und behält sich das Recht vor, diese zu entfernen. Eigene Inhalte auf unserer Website werden regelmäßig sorgfältig geprüft. Wir bemühen uns stets, unser Informationsangebot vollständig, inhaltlich richtig und aktuell anzubieten. Das Auftreten von Fehlern ist dennoch möglich, daher kann eine Garantie für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität nicht übernommen werden. Korrekturen oder Hinweise senden Sie bitte an experten-ratgeber@jameda.de.


www.jameda.de © 2023 - Wunscharzt finden und Termin online buchen.

Diese Webseite verwendet Cookies.
Surfen Sie weiter, wenn Sie unserer Cookie-Richtlinie zustimmen.