Artikel 02/04/2022

Alterssichtigkeit korrigieren ohne Halos? „Monofokal+“-Linsen!

Dr. med. Rüdiger Schmid Augenarzt
Dr. med. Rüdiger Schmid
Augenarzt
alterssichtigkeit-korrigieren-ohne-halos-monofokal-linsen

Was ist die Alterssichtigkeit?

Die Alterssichtigkeit („Presbyopie“) ist für jeden Betroffenen ein lästiger Umstand, oft sogar sehr beeinträchtigend. Der Blick in die Nähe ist nicht mehr problemlos möglich, der Nahabstand rückt immer weiter weg.

Das Schlimme daran: Die Alterssichtigkeit trifft jeden ab spätestens Mitte 40 und sie nimmt im Laufe der Zeit immer weiter zu. Die volle Ausprägung der Alterssichtigkeit und die maximale Lesebrillenstärke wird dann spätestens mit 60 Jahren erreicht. Kommt noch eine Fehlsichtigkeit dazu, gibt es mit der erforderlichen Gleitsichtbrille gehörige Kompromisse.

Der Grund für das Auftreten der Alterssichtigkeit ist hauptsächlich die nachlassende Elastizität der körpereigenen Linse.

Gibt es Möglichkeiten zur Beseitigung der Alterssichtigkeit?

Eine chirurgische Option, die Alterssichtigkeit und die Brille dauerhaft loszuwerden, war bislang z.B. eine „Monovisions“-Lösung. Bei dieser Methode können Einstärkenlinsen (Intraokularlinse, kurz IOL) vor die körpereigene Linse implantiert werden. Dadurch wird ein Auge auf die Ferne, das andere auf die Nähe eingestellt. Weitere chirurgische Möglichkeiten sind die Monovision mittels Augenlasern oder das Einsetzen sogenannter Mehrstärkenlinsen.

Mehrstärkenlinsen lassen sich in hierauf spezialisierten Augen-OP-Zentren wie eine Art Kontaktlinse mittels einer kurzen Operation ins Auge einsetzen oder im Austausch gegen die funktionslos werdende eigene Linse einsetzen. Eine starre und trübe körpereigene Linse (grauer Star) kann ebenfalls durch eine Mehrstärkenlinse ersetzt werden.

Mehrstärkenlinsen als Multifokale Intraokularlinsen (MIOL), meist trifokal oder EDoF-IOL, sind bislang der Goldstandard, um ein Sehen von Fern bis Nah dauerhaft zu ermöglichen. Vereinfacht gesagt, können trifokale Linsen bis in den unmittelbaren Nahabstand, EDoF-IOLs „nur“ bis in den PC-Abstand abbilden. Aber: Je mehr Nähe, desto mehr Kompromisse.

Als wesentlichen Kompromiss hierbei gibt es immer Ringe um Lichtquellen, sogenannte Halos, in unterschiedlicher Ausprägung und einen gewissen Mehrbedarf an Helligkeit beim Lesen.

Was sind ‘monofokal+’- Intraokularlinsen?

Ein neuartiges Konzept an Intraokularlinsen wurde nun ganz neu entwickelt. Es ist erst seit 2021 auf dem Markt und wird von verschiedenen Herstellern angeboten: sogenannte „monofokal+“-IOLs, die teilweise sogar eine solch weitgehende Tiefenschärfe wie EDoF-IOLs erreichen können.

Das Besondere an diesen Konzepten ist die spezielle Optik dieser Linsen, die sich aus der höheren Optik herleitet, wie sie auch beim Bau von Weltraumteleskopen genutzt wird. Mittels einer ganz speziellen Oberflächengestaltung dieser Optiken werden sogenannte „Aberrationen höherer Ordnung“ genutzt, die sogenannte „Wellenfront“ verändert, um eine erhöhte Tiefenschärfe zu erzeugen. Im Wesentlichen gelingt dies durch eine erhöhte „sphärische Aberration“ dieser Optiken.

Die hohe Kunst des Augenchirurgen besteht nun darin, die jeweiligen Optiken möglichst passend für das entsprechende Patientenauge auszuwählen. Jedes Auge verhält sich hier anders. Zudem kann die Abbildung des menschlichen Auges natürlich nicht so weitgehend fehlerfrei vorausberechnet werden wie bei einem Teleskop oder Mikroskop. Jede Erhöhung der Tiefenschärfe geht auch prinzipiell zu einem gewissen Teil zu Lasten der Kontrastsehschärfe.

Fazit

Zusammenfassend können diese modernen Optiken eine gewisse Tiefenschärfe des Sehens von Ferne bis in den Mittelbereich erzielen und dabei durchaus die Kompromisse von MIOLs, im Wesentlichen die Wahrnehmung von Halos, vermeiden. Damit stellen diese neuartigen „monofokal+“-IOLs einen neuen, wichtigen Baustein im Portfolio des spezialisierten Augenchirurgen dar. Insbesondere die Lebensqualität nach einer OP des grauen Stars („Katarakt“) wird typischerweise mit diesen „monofokal+“-IOLs höher als mit einer herkömmlichen Standardlinse sein.

Die Veröffentlichung dieser Inhalte durch jameda GmbH erfolgt mit ausdrücklicher Genehmigung der Autoren. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung der jeweiligen Autoren.

Die Inhalte der Experten Ratgeber ersetzen nicht die Konsultation von medizinischen Spezialisten. Wir empfehlen Ihnen dringend, bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder medizinischen Behandlung stets eine qualifizierte medizinische Fachperson zu konsultieren. Der Inhalt dieser Seite sowie die Texte, Grafiken, Bilder und sonstigen Materialien dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine gesundheitlichen Diagnosen oder Behandlungen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Meinungen, Schlussfolgerungen oder sonstige Informationen in den von Dritten verfassten Inhalten ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors darstellen und nicht notwendigerweise von jameda GmbH gebilligt werden. Wenn die jameda GmbH feststellt oder von anderen darauf hingewiesen wird, dass ein konkreter Inhalt eine zivil- oder strafrechtliche Verantwortlichkeit auslöst, wird sie die Inhalte prüfen und behält sich das Recht vor, diese zu entfernen. Eigene Inhalte auf unserer Website werden regelmäßig sorgfältig geprüft. Wir bemühen uns stets, unser Informationsangebot vollständig, inhaltlich richtig und aktuell anzubieten. Das Auftreten von Fehlern ist dennoch möglich, daher kann eine Garantie für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität nicht übernommen werden. Korrekturen oder Hinweise senden Sie bitte an experten-ratgeber@jameda.de.


www.jameda.de © 2023 - Wunscharzt finden und Termin online buchen.

Diese Webseite verwendet Cookies.
Surfen Sie weiter, wenn Sie unserer Cookie-Richtlinie zustimmen.