Artikel 06/11/2014

Knorpelverpflanzung am Hüftgelenk: Ein Mittel gegen Hüftarthrose?

Dr. med. Martin Rinio Fußchirurg, Orthopäde & Unfallchirurg, Spezieller Unfallchirurg
Dr. med. Martin Rinio
Fußchirurg, Orthopäde & Unfallchirurg, Spezieller Unfallchirurg
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Knorpeltransplantation an der Hüfte stoppt die Hüftarthrose
Eine Knorpeltransplantation am Hüftgelenk kann dann durchgeführt werden, wenn das Hüftgelenk einen klar umrissenen Knorpelschaden hat. Das Hüftgelenk ist in diesem Fall noch nicht durch einen großflächigen Knorpelabbau beeinträchtigt. Knorpeltransplantation ist eine minimalinvasiv (unter Hüftarthroskopie) durchgeführte Verpflanzung körpereigener Knorpelzellen. Diese Therapie kann den Schaden im Hüftgelenk dauerhaft beheben. Hüftarthrose wird dadurch also verhindert.

Eigenschaften einer Knorpeltransplantation am Hüftgelenk im Vergleich zur Endoprothetik
Der Gelenkknorpel wird durch diese biologische Knorpeltherapie wieder regeneriert. Die für die Knorpelzüchtung benötigten Knorpelzellen werden aus einer sehr kleinen Probe in einem Speziallabor zu einer großen Menge herangezogen. Diese Knorpelzellen bilden an der geschädigten Stelle innerhalb von wenigen Monaten wieder das knorpeltypische Bindegewebe aus. Die Gelenkfunktion wird dadurch normalisiert. Der Hüftarthrose durch vorzeitigen Gelenkverschleiß wird vorgebeugt. Nach etwa 6 Monaten ist das Hüftgelenk wieder voll belastbar. Die biologische Knorpeltherapie bringt also, anders als die Endoprothesenbehandlung der Hüfte, keine Fremdmaterialien in das Gelenk ein. Knochen und Gewebe bleiben vollständig erhalten.

Welche Untersuchungen gehen der Knorpeltransplantation an der Hüfte voraus?
Ein auf Knorpeltransplantation spezialisierter Arzt ermittelt durch eine genaue Untersuchung die Aussichten der Knorpeltherapie.
Vor der Entscheidung für die Knorpeltransplantation der Hüfte wird das Hüftgelenk klinisch und radiologisch untersucht. Dabei wird versucht, die individuelle Ursache des Knorpelschadens möglichst genau zu identifizieren. Auch die Lage und das Ausmaß des Knorpelschadens sollte genauer diagnostiziert werden. Wird die Hüftarthrose durch eine Hüftdysplasie oder ein Hüftimpingement verursacht, müssen diese Ursachen auf jeden Fall im Behandlungsplan berücksichtigt und separat behandelt werden.

Für wen ist eine Knorpeltransplantation am Hüftgelenk besonders geeignet?
Meist sind jüngere Patienten unter 50 Jahren die besten Kandidaten für die Knorpelverpflanzung. Die Variabilität ist hierbei jedoch groß. Auch das biologische Alter spielt eine große Rolle für die Vitalität des Transplantates. Der Knorpelschaden sollte ein frühes Stadium des Gelenkverschleißes nicht überschritten haben. Auch nach einem Unfall mit Knorpelschaden kann die Knorpeltherapie eingesetzt werden.

Für wen ist eine Knorpeltransplantation am Hüftgelenk nicht mehr geeignet (Kontraindikation)?
Auch wenn die Knorpeltransplantation - als erste Therapie überhaupt - eine Heilung des Gelenkknorpels im Hüftgelenk ermöglicht, können nicht alle Patienten mit Hüftarthrose durch die autologe Knorpeltransplantation (ACT) behandelt werden. Patienten mit fortgeschrittener Hüftarthrose können also durch Knorpelverpflanzung nicht mehr dauerhaft geholfen werden. Der Arzt muss auch eine Hüftdysplasie oder ein Hüftimpingement als Ursache des Knorpelschadens ausschließen. Fehlformen des Hüftgelenks oder eine unbehandelte Hüftkopfnekrose verhindern die Wirksamkeit der Knorpelverpflanzung, weil auch das Transplantat durch die gleichen Mechanismen wieder geschädigt würde.

Wie wird eine Knorpeltransplantation am Hüftgelenk durchgeführt?
In einer ersten, hüftarthroskopischen (minimalinvasiven) Operation wird ein winziger, etwa Reiskorn-großer Teil des Knorpelgewebes aus einem wenig belasteten Bereich entnommen. Die Knorpelzellen in diesem Knorpelstück werden in einem Laborprozess von seinem Bindegewebe befreit - dies ist die Voraussetzung für die Teilungsaktivität in einer Nährflüssigkeit. Nach sechs bis acht Wochen werden die Knorpelzellen aus der Flüssigkeit gewonnen. In einer zweiten, minimalinvasiven Operation werden die Knorpelzellen in das Hüftgelenk eingebracht. Unter sechs-wöchiger Entlastung (Gehstützen) und fortwährender Physiotherapie heilen die verpflanzten Knorpelzellen in die Schadstelle ein. Sie bilden in dieser Zeit das knorpeltypische feste und elastische Bindegewebe aus.

Nachbehandlung, Perspektive und Lebensqualität nach Knorpeltransplantation am Hüftgelenk
Nach sechs Monaten kann der Patient seine Hüfte nach einer Phase langsamen Belastungsaufbaus bei vollständiger Sportfähigkeit ohne Hüftschmerzen wieder voll belasten. Für “knorpelfreundliche” Sportarten wie Rad fahren, Skilanglauf, Schwimmen - geben wir den Patienten keinerlei Einschränkungen. Achten Sie jedoch bitte darauf, möglichst viel Bewegung mit möglichst wenig Belastung zu verbinden. Das hält den Knorpel im Hüftgelenk vital und gesund. Nach unserer Erfahrung ist die Knorpeltransplantation der Hüfte bei richtiger Voruntersuchung und Abklärung aller Umstände durch einen erfahrenen Hüftspezialisten eine zuverlässige Therapie zur Verhinderung von Hüftarthrose.

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